{"id":37,"date":"2008-09-17T14:26:20","date_gmt":"2008-09-17T12:26:20","guid":{"rendered":"http:\/\/studiofrauenfeld.info\/?p=37"},"modified":"2008-09-17T14:28:01","modified_gmt":"2008-09-17T12:28:01","slug":"die-sintflut-war-eine-verschwendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/?p=37","title":{"rendered":"Die Sintflut war eine Verschwendung"},"content":{"rendered":"<p><em>Das K\u00fcnstlerduo Hemauer\/ Keller widmet sich im Neuen Shed der Energie in Zeiten des Postpetrolismus. F\u00fcnf Studiogespr\u00e4che diskutieren Energie, Kunst und Kultur.<\/em><\/p>\n<p>von Dieter Langhart<\/p>\n<p>Frauenfeld \u2013 Das \u00d6l geht uns aus. Wie gehen K\u00fcnstler mit dem Klimawandel um? Parallel zur Ausstellung \u00abMoralische Fantasien\u00bb im Thurgauer Kunstmuseum geht es Christina Henauer und Roman Keller im Studio Frauenfeld um Energie in Zeiten des Postpetrolismus. Vor drei Wochen begannen die \u00f6ffentlichen Proben zur Postpetrolistischen Internationalen; zum Projekt \u00abL&#8217;energia siamo noi\u00bb geh\u00f6ren aber auch f\u00fcnf \u00f6ffentliche Studio-Gespr\u00e4che. Mit geladenen Fachleuten unterhalten sich Hemauer und Keller \u00fcber die Beziehung zwischen Energie, Kunst und Kultur.<br \/>\nBeim zweiten Gespr\u00e4ch ging es um die Verschwendung von Ressourcen, die in \u00d6konomie und \u00d6kologie eine zentrale Rolle spielt. Die Annahme: Verschwendung ist zentral in jeder Gesellschaft, also auch in Kunst und Kultur. Die Kunsthistorikerin Cynthia Gavranic, Kuratorin am Museum f\u00fcr Gestaltung Z\u00fcrich, nahm Nahrung als Beispiel etwa in Abendmahlsdarstellungen: \u00abVerschwendung ist legitim, wenn sie mit Demut verbunden ist.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Bugatti mit 1001 PS<br \/>\n<\/strong> \u00abDie Sintflut war die erste Verschwendung. Die ganze Sch\u00f6pfung wurde wegen menschlicher Unvollkommenheit geflutet.\u00bb J\u00fcrg von Ins (Lyriker, Ethnologe, Theologe, Philosoph) gab sich leicht provokativ. Er verneinte die These, dass Verschwendung gl\u00fccklich mache. Er hat \u00fcber Rituale habilitiert und konnte locker von religi\u00f6sen Opferriten zum Bugatti Veyron 16.4 springen, den mit 1001 PS.<br \/>\nOhne Knappheit sei Verschwendung nicht m\u00f6glich, sagte von Ins. In der Kunst sei sie wertfrei und m\u00fcsse rehabilitiert werden. Riten der Verschwendung habe es immer gegeben, und das \u00abIch muss weniger d\u00fcrfen\u00bb, die Vorgabe der Umweltbewegung der Achtziger, habe in eine Sackgasse gef\u00fchrt. Opfer und Feste bezeichnete er als prim\u00e4re kulturelle Leistungen. Cynthia Gavranic nannte auch die Kunst ein Ritual und fragte, ob Kunst nicht auch Verschwendung sei. Sie entstehe stets im Dienste einer Sache: \u00abWer gibt Kunst in Auftrag?\u00bb Die Kunsthistorikerin erinnerte an \u00abden letzten Schamanen\u00bb Beuys und seine Utopie \u00abLa rivoluzine siamo noi\u00bb, an der \u00abihr ankn\u00fcpft\u00bb, wie sie zu Hemauer und Keller gewandt meinte.<\/p>\n<p><strong>Manifest als Anfang<br \/>\n<\/strong> Gavranic fragte die K\u00fcnstler, wie ihre Utopie laute. \u00abSie ist nicht so konkret\u00bb, antwortete Roman Keller. Ihr Manifest sei erst ein Anfang. \u00abEs muss ein Sinn in der Verschwendung gefunden werden\u00bb, schloss Gavranic, und J\u00fcrg von Ins legte dem Publikum diese Sentenz vor: \u00abIch bin f\u00fcr die Legalisierung geistiger Nahrung.\u00bb Die kleine Runde mochte den Ball nicht aufnehmen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.thurgauerzeitung.ch\" target=\"_blank\">Thurgauer Zeitung<\/a>, Freitag 12. September 2008, KULTUR<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das K\u00fcnstlerduo Hemauer\/ Keller widmet sich im Neuen Shed der Energie in Zeiten des Postpetrolismus. F\u00fcnf Studiogespr\u00e4che diskutieren Energie, Kunst und Kultur. von Dieter Langhart Frauenfeld \u2013 Das \u00d6l geht uns aus. Wie gehen K\u00fcnstler mit dem Klimawandel um? 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