{"id":33,"date":"2008-06-27T10:07:02","date_gmt":"2008-06-27T08:07:02","guid":{"rendered":"http:\/\/studiofrauenfeld.info\/?p=33"},"modified":"2008-07-02T00:52:10","modified_gmt":"2008-07-01T22:52:10","slug":"eine-hymne-des-postpetrolismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/?p=33","title":{"rendered":"Eine Hymne des \u00abPostpetrolismus\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christina Hemauer und Roman Keller fragen nach Zusammenh\u00e4ngen von Kunst- und Energiegeschichte<\/strong><\/p>\n<p><em>frauenfeld. Der Shed im Eisenwerk kooperiert erstmals mit dem Kunstmuseum Thurgau durch flankierende Parallelprojekte unter dem Titel: \u00abL&#8217;Energia siamo noi\u00bb (Die Energie sind wir).<\/em><\/p>\n<p>von Dorothee Kaufmann<\/p>\n<p>Revolution\u00e4r gibt sich das K\u00fcnstlerpaar Christina Hemauer (1973) und Roman Keller (1969), die j\u00fcngst mit den Swiss Art Award ausgezeichnet wurden. Bei der Projektvorstellung t\u00f6nte \u00abDie Internationale\u00bb durch die leere Shedhalle, in der das eigens gefertigte Podium steht, auf dem die geplanten Gespr\u00e4che und Chorproben stattfinden sollen. Die Arbeit des K\u00fcnstlerduos kreiste schon seit l\u00e4ngerem um Fragen der Energie als ersch\u00f6pflichem Rohstoff. 2006 haben Hemauer und Keller in Z\u00fcrich mit einem k\u00fcnstlerisch-theatralisch inszenierten Manifest den \u00abPostpetrolismus\u00bb als neue Kunstepoche ausgerufen.<\/p>\n<p><strong>Open-Source-Projekt<\/strong><\/p>\n<p>Im Neuen Shed werden die K\u00fcnstler zwei Projekte parallel zu der aktuellen Ausstellung \u00abMoralische Fantasien\u00bb (Tagblatt vom 20. Juni) des Kunstmuseums Thurgau verwirklichen. Das eine besteht in der Realisierung eines neuen Hymnus in Zusammenarbeit mit Mathias Vetter, der sogenannten \u00abPostpetrolistischen Internationalen\u00bb, das andere besteht in einem Open-Source-Projekt, das um die Frage kreist, inwiefern sich Kultur- und Kunstgeschichte parallel zur Energiegeschichte entwickeln.<\/p>\n<p>Die Verbindung beider Bereiche ist nicht offensichtlich, auch wenn das Manifest den geneigten Leser manches glauben machen m\u00f6chte. Tenor und Zielrichtung des Projektes versetzen den Beobachter vielmehr zur\u00fcck in die Zeit um 1910, als die deutsche Fassung der Internationalen entstand und man noch unbeleckt von der Geschichte moralische und politische Phantasien innerhalb der Kunst entwickeln konnte.<\/p>\n<p>Wenn nun eine \u00abPostpetrolistische Internationale\u00bb mit freiwilligen Ch\u00f6ren und S\u00e4ngern im Shed einstudiert werden soll und eine Prozession vom Shed zur Kartause geplant ist, so kommt einem schon der Gedanke an Opium f\u00fcr das Volk und an Manipulation der Massen in den Sinn.<\/p>\n<p>Das zweite Projekt schwingt sich zu einem geistigen H\u00f6henflug auf, indem eine These des K\u00fcnstlerduos wissenschaftlich untermauert werden soll: Energiegeschichte und Kultur- bzw. Kunstgeschichte sollen eine parallele Lesart ergeben, indem eine enzyklop\u00e4dische Abhandlung zur Energiegeschichte der Menschheit mit Ereignissen der Kulturgeschichte konfrontiert wird. Hierf\u00fcr sind Fachleute aufgerufen, sich zu \u00e4ussern.<\/p>\n<p><strong>Ungl\u00fccklich kulturkritisch<\/strong><\/p>\n<p>Eine Kooperation des Museums mit dem Shed als neue Epoche im Umgang mit Kunst ist sicherlich zu begr\u00fcssen. Die Zielrichtung der Projekte ist jedoch ungl\u00fccklich kulturkritisch gewollt. Kunst, Wissenschaft und Moral derart zu vermengen, f\u00fchrt weder zu einer tragf\u00e4higen Erkenntnis noch zu einer Revolution.<\/p>\n<p>Aber mit den richtigen Fragen f\u00e4ngt jede Revolution an \u2013 meinte doch schon Beuys: \u00abDie Revolution sind wir\u00bb, als er Kunst als soziale Plastik begriff und den Kapitalismus kritisierte.<\/p>\n<p>St. Galler Tagblatt, KULTUR, Freitag, 27. Juni 2008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christina Hemauer und Roman Keller fragen nach Zusammenh\u00e4ngen von Kunst- und Energiegeschichte frauenfeld. Der Shed im Eisenwerk kooperiert erstmals mit dem Kunstmuseum Thurgau durch flankierende Parallelprojekte unter dem Titel: \u00abL&#8217;Energia siamo noi\u00bb (Die Energie sind wir). von Dorothee Kaufmann Revolution\u00e4r gibt sich das K\u00fcnstlerpaar Christina Hemauer (1973) und Roman Keller (1969), die j\u00fcngst mit den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-33","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-presse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hemauerkeller.land\/studiofrauenfeld\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}